Titel: Dein letztes Solo
Originalausgabe: Tiny Pretty Things
Autor: Sona Charaipotra und Dhonielle Clayton
Reihe: Einzelband
Seiten: 481
Verlag: Heyne Fliegt
Format: Broschierte Taschenbuchausgabe
ISBN: 345326987X
Preis: 12,99 €
Erscheinungsdatum: 22. Juni 2015
Genre: Drama

Neid und Missgunst herrschen an der Ballettakademie - doch einige Mädchen gehen zu weit. Viel zu weit...

Inhalt 
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Bette, Giselle und June haben einen großen Traum: sie wollen eine erfolgreiche Tänzerin werden. Deshalb arbeiten sie jeden Tag hart im Training an der American Ballett Company, um noch ein Stückchen besser zu werden. Doch als es darum geht, dass die begehrten Solorollen und die Hauptrolle für den "Nussknacker" verteilt werden, fahren sie die Ellenbogen aus. Es beginnt mit harmlosen Streichen, weiter über Drohungen und schließlich eskaliert der Konkurrenzkampf...
  
Mein Eindruck
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Zunächst einmal, man sollte die Unterschrift "Thriller" nicht allzu ernst nehmen. Ja wir haben es hier mit Psychoterror und teilweise auch Gewalttätigkeiten zu tun, doch die spielen sich eher im Bereich des Mobbings ab (wenn auch die Grenze zur Kriminalität sicher stellenweise überschritten wird). Als actiongeladenen Thriller würde ich das Buch aber mit Sicherheit nicht bezeichnen.

Für mich war ein wenig enttäuschend, wie wenig es sich eigentlich um das Ballett dreht. Denn genau deshalb lese ich eigentlich Ballettbücher, weil es um Ballett gehen soll. Ich mag, wie Tanzszenen beschrieben sind, wie die Kunst zum Ausdruck kommt und mit welcher Spannung Rollenverteilungen erarbeitet und erwartet werden. Hier ist das Tanzen aber nur Beigeschmack, zu einem sich durch das ganze Buch ziehenden Zickenterror.

Bewusst "Zickenterror", da der Großteil der Grausamkeiten eindeutig weibliche Handschrift trägt und für Konkurrenzkampf unter Frauen ziemlich typisch ist. Dabei hat mir gut gefallen, dass jede Figur im Verlauf des Buches mehr und mehr Tiefe erhält. Mit der Zeit beginnt man zumindest ansatzweise zu verstehen, weshalb sie sich so verhalten. Auf der anderen Seite zelebriert das Buch tatsächlich fast nur Drama und Mobbing in allen nur denkbaren Arten. Spannung wird im Grunde nur über, "wer steckte hinter dies und jenem" erzeugt. Allerdings machen das die Autorinnen recht gut. Normalerweise bin ich kein Fan von Dramen hoch und runter, doch die einzelnen Schicksale dahinter haben mich fasziniert und auch mitfiebern lassen, wer hinter was steckt.

Doch wie schon angedeutet ist mir vor allem das Tanzen zu kurz gekommen. Ja, man bekommt einen sehr tiefen und deutlichen Einblick in die Schattenseite Neid und Missgunst. Die positiven Seiten, die Freude am Ballett, die Kunst und die Faszination, bleiben nahezu auf der Strecke. Die Erzählweise ist in recht viele Perspektiven aufgespalten, zum Anfang gewöhnungsbedürftig, aber dann eigentlich sinnvoll. Es verdeutlicht das "Katz und Maus" -Spiel. Allerdings ging mir Miss Strahlefrau Giselle mit der Zeit doch gehörig auf die Nerven. Sie ist immer nett, freundlich, wahnsinnig geduldig und steckt alles mit einer Engelsmine weg, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Erst zum Ende hin dreht auch sie mal am Rad, für mich etwas zu spät.

Dann muss ich noch kurz erwähnen, dass ich das Ende reichlich seltsam fand und nicht ganz verstehen konnte, was die Autorinnen damit sagen wollten. In meinen Augen eher unnötig, da hätte etwas Versöhnlicheres nach den ganzen Vorfällen vielleicht besser gewirkt.

Fazit
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Ich muss sagen, dass "Dein letztes Solo" nicht das Ballettbuch war, das ich erwartet habe. Statt sich hauptsächlich um das Tanzen zu drehen, geht es im Detail und aller Tiefe um die zwischenmenschlichen Beziehungen. Leider bestehen diese zwischenmenschlichen Beziehungen zu 99 % aus Neid und Missgunst. Durch das Buch wird eine eher einseitige Botschaft vermittelt und das Ende wirft Fragezeichen auf. Auf der anderen Seite hat es durchaus seinen Unterhaltungswert, weil es sich stark den seelischen Hintergründen der Figuren widmet. Irgendwo hat auch das "Katz und Maus"-Spiel seine Faszination. Wem es vordergründig nicht ums Tanzen geht und gerne über ausgestreckte Ellenbogen liest, wird hier dennoch gut unterhalten.


Wenig Ballett, viel Konkurrenzkampf
3,0 Sterne

Anmerkung: 
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten.
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