Titel: Girl on the Train, Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich
Originalausgabe: The Girl on the Train
Autor: Paula Hawkins 
Reihe: Einzelband
Seiten: 448
Verlag: Blanvalet
Format: Broschierte Taschenbuchausgabe
ISBN: 3764505222
Preis: 12,99 €
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2015
Genre: Thriller, Drama

Sie beobachtet sie aus der Ferne, doch eines Tages befindet sie sich mittendrin...

Inhalt 
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Tagtäglich fährt Rachel dieselbe Strecke mit dem Zug, morgens hin und abends wieder zurück. Ihrer Mitbewohnerin spielt sie dabei vor, dass sie noch immer den Job in der Werbeagentur hat. Doch Rachel ist eine Trinkerin und hat sich schon lange in ein tiefes Loch gestürzt. Ein Tag gleicht dem anderen, sie schafft es nicht trocken zu werden und ihr Leben in die Hand zu nehmen. Stattdessen hängt sie der Vergangenheit nach, sucht die Schuld bei anderen und lenkt sich mit ihren Fantasien ab. Denn fast jeden Tag, kann sie vom Zug aus, wenige Häuser von ihrem alten zu Hause entfernt, ein Pärchen beobachten. Ihr perfektes Pärchen. Rachel tröstet sich darin, sich ihr sorgenfreies Leben in ihren Gedanken auszumalen.

Doch eines Tages sieht Rachel die Frau mit einem fremden Mann im Garten. Kurz darauf ist sie spurlos verschwunden. Was ist passiert? Und weshalb befand sich Rachel in besagter Nacht dort in der Straße und hat keinerlei Erinnerungen mehr? 

Mein Eindruck
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"Oh Rachel, oh Rachel", will man die meiste Zeit des Buches zur Hauptfigur sagen und sie am liebsten wachrütteln. Denn Rachel ist nicht die Mrs Charming Ehefrau und Hausfrau. Nein, sie wurde von ihrem Mann wegen einer Anderen verlassen und hat durch ihre Trinkerei auch noch ihren Job verloren. Ihr Lebensinhalt besteht im Moment darin, morgens in den Zug zu steigen und am Abend wieder zu ihrer Mitbewohnerin zurückzukehren. Sie versucht den Schein aufrechzuhalten, dass sie zumindest noch ihrer geregelten Arbeit nachgeht. Dabei beobachtet sie jeden Tag ein Pärchen, das nahe an den Gleisen wohnt. In ihren Gedanken heißen sie Jess und Jason, das perfekte Traumpaar. Es lässt sie für den Moment vergessen, dass sie nur wenige Häuser weiter gewohnt hatte, bis ihre eigene Ehe scheiterte.

Rachel lebt in ihrer Welt, verschwendet ihre Energie auf den Schein, statt wirklich etwas zu ändern. Ständig betrinkt sie sich, stalkt ihrem Ex-Mann hinterher und kommt mit ihrem Leben einfach nicht klar. Sie tut einem leid, aber mit der Zeit resigniert man als Leser, wenn sie wieder und wieder dieselben Fehler begeht.
 
Doch nicht nur Rachel ist eine Antiheldin, eigentlich hat jede Buchfigur mit irgendwelchen inneren Dämonen zu kämpfen. So kaputt Rachel ist, sie ist definitiv nicht die kaputteste. Schwung kommt in die Geschichte, als eines Tages "Jess" verschwindet, die Frau, die Rachel immer vom Zug aus beobachtet hat. Rachel ist entsetzt, was ist mit ihrem perfekten Ehepaar passiert? Als Rachel feststellt, dass sie am Abend des Verschwindens in der Straße war und keine Erinnerungen mehr daran hat, muss sie dem nachgehen.

Es ist interessant zu lesen, wie Rachel versucht, Stück für Stück gegen ihre Erinnerungslücken zu kämpfen. Sie setzt sich mit der Vergangenheit auseinander, nicht nur den letzten Tagen, sondern auch wie ihre Ehe gescheitert ist und generell alles den Bach herunterging. Schmerzhaft trifft sie bei ihren "Ermittlungen" immer wieder auf ihren Ex-Mann Tom und seine neue Frau, die nun mit einem gemeinsamen Baby in "ihrem" Haus leben. Konflikte sind da schon vorprogrammiert.

Für meinen Geschmack war das Buch zwar fesselnd, denn man will einfach wissen, was Rachel mit der gesamten Sache zu tun hat. Aber es hatte zwischendurch auch seine Längen, als sie sich zum xten Mal betrinkt oder wieder eine sinnlose Aktion startet. Doch vor allem zum Ende hin zieht die Autorin enorm an Erzähltempo an und ich konnte das Buch kaum noch weglegen. Nur leider kam ich einen klitzekleinen Ticken zu früh hinter die Auflösung. Sonst war es aber echt gut gemacht, denn bis 100 Seiten vor Schluss, tappte ich genauso im Dunkeln, wie Rachel.

Fazit
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"Girl on the Train" ist kein typisches Buch. Man kann nicht einfach einen Stempel mit "Thriller" aufdrücken, sondern es hat noch weitere Elemente, wie persönliche Dramen und Selbstfindung. Dreh und Angelpunkt sind die etwas anderen Charaktere, die ständig mit ihrem Umfeld anecken und denen manchmal einfach nicht mehr zu helfen ist. Aber es ist schön, mal über eine alles andere als "heile" Welt zu lesen. Es ist einfach realistisch, dass hinter äußerem Schein, nicht allzu viel steckt. Neben ein paar langatmigen Passagen habe ich mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Eine mal düstere, mal einfach nur traurige Geschichte über eine Frau, die in etwas ganz Unerwartetes hineinstolpert. Doch vielleicht war das die (bittere) Medizin, die sie gebraucht hat.


Ein Buch voller Antihelden, fesselnd, aber manchmal etwas langatmig
3,8 Sterne

3 Responses
  1. Ich weiß nicht wieso, aber dieses Buch taucht ja gerade überall bei den meisten blogs auf... mh, aber ich glaube, das ist soo gar nicht mein Buch. Schöne Rezi, aber ich werde es dennoch nicht lesen ;)
    LG Tina


  2. Tina Says:

    @Tina:

    Ja, das Buch ist in letzter Zeit auf einigen Blogs aufgetaucht ;) Ich würde auch sagen, dass es nicht für jeden etwas ist. Kann also gut verstehen, dass es dich nicht ganz so reizt^^


  3. Nelly G. Says:

    Huhu mir gehts ein wenig wie Martina. Egal wo man schaut, überall dieses Buch. Und vorallem: überall ganz positive Meinungen. Aber irgendwie spricht es mich so gar nicht an, weder das Cover, noch der klappentext.
    Aber auch mir hat deine Rezi gut gefallen. Ich mag, wie du schreibst

    Viele liebe Grüße, Nelly


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