Titel: Mein Leben ohne Gestern
Originaltitel: Losing Alice
Autor: Lisa Genova
Reihe: keine!
Seiten: 320
Verlag: Bastei Lübbe
Format: Taschenbuch
ISBN: 3785760167
Preis: 8,99 € 
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2011
Genre: Gegenwartsliteratur
Leihen: bei Skoobe

Wie fühlt es sich an, sich Stück für Stück selbst zu verlieren, ohne etwas dagegen tun zu können?


Inhalt
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Alice ist blitzgescheit und liebt es, ihr Wissen mit jungen aufstrebenden Studenten zu teilen. Sie lehrt kognitive Psychologie an der Harvard Universität und genießt weltweit einen bemerkenswerten Ruf. Mit 50 Jahren hat sie all ihre Ziele erreicht, sowohl Erfolg im Beruf, als auch eine glückliche Familie zu haben. Doch von Tag zu Tag beginnt sie, zunächst die einfachsten Dinge zu vergessen. Kleinigkeiten, die jedem passieren könnten, auch der hochintelligenten Alice. Sie schiebt es zunächst auf die Wechseljahre, die Symptome passen. Es wird jedoch nicht besser, bis sich Alice eines Tages der Diagnose stellen muss: eine frühzeitig einsetzende Form von Alzheimer. 

Mein Eindruck
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"Mein Leben ohne Gestern" ist ein Buch, das ich völlig zufällig entdeckt habe. Es ist nicht unbedingt mein Beuteschema, doch schon mit der Leseprobe hatte mich die Autorin am Haken. Hauptfigur Alice hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen, hat mich durch ihre Augen blicken und ihre Geschichte durchleben lassen. Eine traurige, schmerzliche und gleichzeitig wunderschöne Erfahrung.

Alice ist hochintelligent, deshalb dauert es seine Zeit, bis auch ihre Mitmenschen merken, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Ein Arzt erklärte, wenn ein normal intelligenter Mensch etwa 10 Synapsen für einen Vorgang zur Verfügung hat, hat Alice um die 20. Alzheimer zerstört diese Synapsen und sorgt dafür, dass zunächst das Kurzzeitgedächtnis abbaut, bis schließlich die selbstverständlichsten Erinnerungen verschwinden. Es ist die Geschichte einer Frau, die versucht eine Krankheit zu meistern, gegen die sie nie eine Chance hatte.

Als Leser befinden wir uns in ihrer Gefühlswelt. Durchleben ihr analytisches Denken, ihr wissenschaftliches Arbeiten und ihre Leidenschaft für die Lehre. Und dann erleben wir hautnah den Verfall. Man fühlt mit ihr, wenn sie einen Vortrag hält und ihr das Thema nicht mehr einfallen will, obwohl sie es kurz zuvor noch vorbereitet hatte. Man fühlt mit ihr, wenn sie auf einer Jogging-Runde einsam und verloren an einer Kreuzung steht und nicht mehr weiß, wo ihr zu Hause liegt. Man lacht mit ihr, wenn sie ein Buch in der Mikrowelle wiederfindet. Man weint Tränen mit ihr, wenn sie erkennt, dass sie sich Stück für Stück verliert und nichts dagegen tun kann. 

Im Mittelpunkt steht Alice, doch auch aus ihrer Sicht bemerkt man nur allzu deutlich, was die Krankheit für ihre Familie bedeuten muss. Allen voran ihr Mann und ihre drei Kinder, die selbst das zerstörerische Gen in sich tragen könnten. Sie begleiten Alice bei ihrem aussichtslosen Kampf. Doch das macht ihn nicht sinnlos. Wie Alice so schön sagt, auch wenn sie die Ereignisse hinterher wieder vergisst, hat sie den Moment selbst vollauf durchlebt.
 
Fazit
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Alice hat mich zum Lachen gebracht und zu Tränen gerührt. Sie hat mich mit dem Buch so fühlen lassen, als wäre ich selbst ein Teil der Geschichte gewesen. "Mein Leben ohne Gestern" ist ein perfektes Beispiel dafür, was passiert, wenn es einem Autor gelingt, eine Figur wahrlich zu erschaffen. Er leistet die Vorarbeit, während der Leser ihr Stück für Stück selbst das Leben einhaucht. Mit jeder Silbe, die er liest. Ein Buch, in dem gegen das Vergessen gekämpft wird und das selbst hoffentlich nie vergessen wird.



Ein berührender Kampf um das eigene Selbst, der vom Moment lebt
5,0 Sterne

6 Responses
  1. Sehr schöne Rezension, auch wenn ich etwas überrascht bin. Manchmal tut ein Buch außerhalb des üblichen Beuteschemas doch gut! Wie bist du denn darübergestolpert? Das Cover würde mich ehrlich gesagt nicht reizen ein zweites mal hinzuschauen, selbst wenn ich es schonmal gesehen habe ist es nie hängen geblieben.


  2. Tina Says:

    Manchmal muss es echt sowas sein :) Einfach ein völlig anderes Genre und sich wieder richtig verzaubern lassen.

    Also ich hatte nach einem neuen Hörbuch gesucht und mein Lieblingssprecher ist David Nathan. Von ihm ist kürzlich "Ich versprach dir die Liebe" erschienen. Sonst hätte ich mich vielleicht nicht dafür entschieden, aber ich liebe den Sprecher ;P Das hatte ich dann an einem Tag verschlungen (oder sollte ich sagen weggehört^^) und dann war "Mein Leben ohne Gestern" in den Empfehlungen dabei. Die Sprecherin hat mir nicht zugesagt, deshalb hab ich mir das Buch näher angeschaut und schwupps ging es seinen Gang ;)

    War dann echt praktisch, dass ich es auch direkt über Skoobe lesen konnte. Um 23 Uhr hab ich angefangen und nachts um 3 war ich dann fertig. Konnts einfach nicht weglegen!

    Es hat (zu Recht) ziemlich gute Wertungen, doch sonst wärs mir wohl auch vom Cover her nicht aufgefallen. Ich mag den Titel total und find ihn sogar echt gelungener als den englischen, das muss was heißen ;) Einfach passend.


  3. Natira Says:

    Ich habe das Buch vor zwei Jahren gelesen und erinnere mich gut, wie sehr es mich als Leserin berührt hat wegen Alice Schicksal, wegen der beängstigenden Krankheit und auch wegen des zurückhaltenden Schreibstils.


  4. Tina Says:

    @Natira:

    Du sprichst mir aus der Seele! Ich bin echt froh, dass ich das Buch doch noch entdeckt habe und mir die Erfahrung nicht entgangen ist. Die Krankheit werde ich nun sicher mit ganz anderen Augen sehen...


  5. Ich muss sagen, dass mir weder Titel noch Autorin etwas sagen, aber es ist immer wieder schön unbekanntere Bücher kennen zulernen und auch zu lesen. Das Buch ist auf jeden Fall mal auf meine Wunschliste gewandert. :) Die Thematik scheint vor allem eher außergewöhnlich zu sein, danke für den Tipp!

    Liebe Grüße,
    Bramble


  6. Tina Says:

    @Bramble:

    Das freut mich total ;) Für mich war es ja auch ein kleiner Überraschungsgriff. Im Grunde mag ich Bücher über Krankheiten nicht allzu gerne. Ich möchte mich von Büchern unterhalten fühlen, und wenn es traurig ist, bin ich schnell mit traurig. Hier aber ist es durch Alice Sicht so authentisch. Es gibt traurige und besondere Momente, aber auch einige fröhliche und vor allem bewundernswerte. Hach ja^^

    Ich hoffe, dass es das Buch wirklich einmal in dein Regal schafft, das hat es sich echt verdient!

    Dir auch liebe Grüße :)


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